Die Geschichte vom Grafen von G.

Einer von meinen Freunden ist jemand, auf denen ältere Herren einen unwiderstehlichen Reiz ausüben – nein, nicht was Sie denken, es scheint mir eher eine Mischung aus der Suche nach einem väterlichem Vorbild und dem beruhigenden Gefühl, in keiner Konkurrenz stehend zu sein.

Auf einer Vernissage in einem renommierten Museum in Kassel wurde mir von eben diesem jungen Mann ein älterer Herr vorgestellt, seines Zeichens Maler. Ein paar Höflichkeitsfloskeln wurden ausgetauscht und dann verloren wir uns alle wieder in der Menge der Kunstflaneure. Bei einer weiteren Vernissage, erschien auch der ältere Herr und Maler, nennen wir ihn den Grafen von G.

Nun fragte mich dieser, ob er denn mal vorbeikommen könne, mir seine Bilder zu zeigen und ein bißchen zu fachsimpeln.
Klar könne er mich besuchen, das Atelier war ja ein offenes Atelier, in der Regel freue ich mich auch über Besuch. Der Graf rief in der folgenden Woche an und vereinbarte einen Termin für Freitag Vormittag und fragte mich, ob es mich störe, wenn er in Arbeitskleidung käme.
Nein, sagte ich, das stört mich nicht. Pünktlich um 11 Uhr betrat der Graf von G. in einem hellen Trenchcoat unter dem eine Gummischürze als wichtigstes Kleidungsstück hervorstach meine Räumlichkeiten. Ich begrüßte ihn, bot ihm einen Kaffee an, denn er wollte mir ja ein paar seiner Bilder zeigen. Er holte aus seiner Tasche ein dunkles Bündel hervor, legte es beiseite und begann ein paar Zeichnungen und Fotos auf meinem Tisch auszubreiten.
Es waren hauptsächlich Porträts von jungen Männern, auch ein, zwei junge Frauen, auf diesen Bildern waren bei allen Dargestellten Ansätze einer Schürze zu sehen, die mich sehr an die Schürze des Grafen von G. erinnerten.
Ich bemerkte es und er stimmte begeistert zu. Ein paar Fotos von Bildern folgten, dazwischen lagen ein paar Fotos von jungen Menschen, die offensichtlich als Modell gedient hatten, raten Sie, was die trugen…richtig.
Das fand ich etwas befremdlich, aber nicht wirklich beunruhigend, dann folgten bei der Durchsicht wieder Zeichnungen, Menschen mit Schürze am Klavier, Menschen mit Schürze beim Holzhacken, Menschen mit Schürze, Mann mit Schürze beim Masturbieren, Frau mit Schürze am Klavier…
Hoppla …Das gehört eigentlich nicht dazu, aber es gehört eigentlich doch zum Leben, oder? fragte mich der Graf mit senil-lauerndem Blick.

Weitere Bilder, der Graf erzählte mir von diesem und jenem verkauften Bild, dieses Gemälde ist sooo groß und schon verkauft, aber wissen sie, wenn ich soviel Arbeit habe, dann muss ich mich auch mal entspannen… sexuell entspannnen, das brauche ich für meine Gesundheit – Foto junger Mann – mit dem habe ich mich auch sehr gern entspannt, der studiert jetzt in XY. Sie haben nicht zufällig eine Freundin, die gerne eine Schürze tragen würde?
Sie sollte keinerlei finanzielle Interessen haben, einfach nur eine Gummischürze tragen…ist doch nichts Schlimmes dabei, oder? Schmutzige Sachen mache ich nicht, alles nur mit Gummi – Zeichnung von zwei Menschen, die Schürze auf Schürze liegen – alles nur mit Gummi…Aber das erzähle ich natürlich nicht jedem, das verstehen sie doch…Nur ein bißchen Rubbeln, wenn die Sahne raus iss, geht’s…
Nun Herr von G., warum auch immer sie mir DIESE Bilder zeigen, aber ich bin nicht interessiert und NEIN, Herr von G., ich habe KEINE Freundin, die Modell stehen könnte… Weitere Fotos von Stilleben, harmlose kleine Obstschalen mit Kerzenleuchtern, da – wieder ein Foto von einem Wesen mit Gummischürze und Gasmaske? Nein, Latex…..
Herr von G., ich habe jetzt wirklich genug gesehen und habe noch zu tun, würden sie jetzt bitte gehen… Ach, man wird auch nicht jünger und niemand ordenet meine Fotos und meine Bilder, da ist dann – nein, wie kommt das denn dahin?

…Aber wissen sie, Ich brauche doch Entspannung wegen meiner Gesundheit. – Das ist nicht mein Problem! Ich räume seine Zeichnungen und Fotos mit spitzen Fingern zusammen, er zieht wieder ein Porträt hervor und stellt es an der gegenüberliegenden Wand auf, das ist eine nette junge Frau, iss hübsch nich? Ich räume das Bild wieder auf seinen Stapel. Ich habe jetzt wirklich … Ach, es passieren so schreckliche Sachen heutzutage, Frau XYist schon zweimal überfallen worden, deshalb ziehe ich mich nicht gerne so gut an – sind sie eigentlich immer ganz alleine hier? Das ist doch gefährlich für so ein hübsches Weibsstück wie sie!
Schauen sie mal, zieht das am Anfang beiseite gelegte Bündel hervor, es ist – eine Schürze, die habe ich selber gemacht, praktisch beim Malen, wollen sie sie mal anprobieren, nein?
„NEIN!“
Hosen und Kleider kann ich nicht selber machen, nur Schürzen…. Ich nehme seinen Mantel von der Garderobe, reiße die Tür auf, es fehlt nicht viel und ich werfe sein ‚Oeuvre‘ auf die Strasse – er geht vorher.

Das KLEINGEDRUCKTE
Dieser Text wurde von mir erstellt und beruht auf einer wahren Begebenheit vor einigen Jahren. Alle Inhalte dürfen nur mit meiner schriftlichen  Genehmigung verwendet werden.

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