Medea mit Maria Callas oder wider die Gleichmacherei

Gestern war ich im knuffigen 24-Sitze-Kino bei mir um die Ecke, um mir „Medea“ von Pasolini anzusehen. Ich habe ja einen Faible für Mythen und ihre Umsetzung in verschiedenen künstlerischen Medien und dieser Film fehlte mir noch.

Außerdem hatte mir mal ein junger Mann in einem schwulen Szene-Lokal Berlins – jaja, das Berliner Nachtleben treibt einen irgendwie immer irgendwo hin – gesagt, ich sähe aus wie die Callas und da ich nur Fotos von ihr kenne, bin ich nun froh sie mal in bewegten Bildern gesehen zuhaben. Ich kann’s ja nicht beurteilen, wir haben jedenfalls beide eine charakteristische Nase 😉 , aber falls ich Maria Callas wirklich auch nur entfernt ähnlich sähe, würde ich dem Universum hier mal ein dickes DANKE zurufen.

Aber ich schweife ab, kommt schon mal vor 😉 zurück zum Thema:

Also, ich finde nur schwer Zugang zu diesem 70er-Jahre-Gefühl, einer Atmosphäre, der ich in so manchem Klassiker begegne, aber nichtsdestotrotz kann ich dem Film allerhand abgewinnen. Die archaische Frau und der verkopfte Mann, Anziehung mit anschliessendem Kampf oder Resignation und Verderben…altes Thema, aber hier sehr ursprünglich umgesetzt.

Mäandernder Einschub nochmal – wobei ich mich frage, wie weit der Intellekt eines Mannes so reicht? Am Beispiel des Jason: Sucht sich eine wilde und magiebegabte Frau, die nachweislich über Leichen geht und zeugt mit ihr Kinder, um sie dann wegen einer anderen zu verlassen…hallo? Selbstüberschätzung höchsten Grades, was glaubt der denn? Dass sie ihm mit einem rosa Taschentuch winkt und viel Glück wünscht und das war’s?
Naja, ich muss die Mythen nicht verstehen und sie sind ja auch verändert in der Überlieferung von A nach b nach C und so weiter… Mäandernder Einschub Ende.

Wobei: Ich persönlich finde den Jason einfach total fehl besetzt. Mag an Pasolinis Neigungen liegen, aber die Callas als ein „Weib“ und dieser „Bubi“ – sorry Pier – da passte die Leidenschaft der Diva einfach nicht, aber okay, ist vielleicht geschmäcklerisch.

Was mir aber wieder mal klar geworden ist…
Da sind Menschen zu sehen, die Makel haben, so schön die Callas war, man sieht ihre kleinen Falten, geringfügige Unebenheiten der Haut, die Hautfarbe aller ist nicht absolut gleichmässig. Die Jungs haben beispielsweise Badehosen-Streifen, weil sie nicht permanent auf der Sonnenbank lagen – übrigens etwas Gutes an den alten Filmen, die Herren werden ganz klar auch mal als Lustobjekt dargestellt, vielleicht auch Pasolinis Neigung, aber auf jeden Fall auffällig – kurz gesagt:  Diverse Details dieser Richtung mehr lassen mir die Protagonisten viel näher erscheinen.

Ich gehe gerne ins Kino, aber von diesen heute all überall gleichen Gesichtern – glatt, faltenfrei, gleichmässige Bräunung, gestylt bis zum „Geht-nicht-mehr“ – bin ich derart übersättigt…Ich brauche jetzt auch nicht dringend ständig „tausendjährige Lederäpfel“ auf der Leinwand, aber wenn die Menschen alle aussehen, wie animierte Charaktere – übrigens ansich schon ein Widerspruch per se für mein Empfinden – dann  mag ich’s nicht.
Die kleinen Makel machen doch den Reiz und die Einzigartigkeit aus…oder? Was nicht heisst, dass alles ins grotesk-sezierende übersteigert werden muss, um das noch kurz einzufügen…

Jedenfalls plädiere ich für mehr Charakter – im Film und im richtigen Leben! Jawohl!

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