Rezension – Rinke: Der Mann der durch das Jahrhundert fiel

Meine Freundin hat mir ein Buch geschenkt, ich habe mich sehr gefreut, dass der Roman in meiner näheren Umgebung spielt – anfangs. Aber – und eigentlich sollte ich dies wissen – es gibt immer einen Haken – nämlich den, das alle Bücher, die sie mir schenkt, deprimierend enden – jedenfalls für mein Empfinden. Gute Literatur, aber eben immer mit finstersten Abgründen, denen ich sehr ambivalent gegenüber stehe.

Ich finde das Buch also eher durchwachsen, es hat einerseits seinen Reiz für mich als Künstlerin, weil hier ein paar Dinge wie eine stellvertretende traditionelle Malerkolonie, Talenfeststellung oder die Vergabe von Stipendien locker auf die Schippe genommen werden. Andereseits bin ich aber ehrlicherweise etwas übersättigt von den nationalsozialistischen dunklen Geheimnissen im Allgemeinen.

Ich mag einen Teil der skurrilen Charaktere sehr, auch dass die unentbehrlichen 68er „abgewatscht“ werden ist okay, aber ab einem bestimmten Punkt dachte ich, oh nein, noch ein Irrer. Man könnte auf die Idee kommen, alle sind verrückt außer dem Protagonisten Paul, der dafür absolut langweilig als Person rüberkommt. Gefällt mir als Stilmittel nicht so. Dass dann der nationalsozialistischen Komponente noch eins draufgesetzt wird wegen Mißbrauch und Vergewaltigung – das ist mir zusammen mit Gefühlskälte, Verdrängung in der Familie, vertauschte Kinder und so weiter einfach zuviel.

Der Roman Hat Witz und Biss, ist schon spannend, man will auch durchaus wissen wie es ausgeht – pfiffige Krimileser ahnen jedoch schon Ende des zweiten Drittels des Buches – worauf es mit der verschwundenen Frau hinaus läuft…ABER: es ist mir alles viel zu dick aufgetragen –  da geht noch einer und hier passt auch noch was – weniger wäre mehr gewesen, finde ich, die Charaktere hätten sich in ihrer Skurrilität selbst auf zwei Romane verteilt noch die Klinke in die Hand gegeben.

Aber schön, dass der Autor so kreativ ist und so viel über Kunst weiss, mal sehen, wie der nächste Roman wird…

Ich glaube, ich lese jetzt erstmal wieder einen historischen Roman oder ein Kunst-Buch 😉

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